In den 60er Jahren gab es in Amerika viele populärwissenschaftliche Bücher über Zen Buddismus. Aus einem von Alan Watts, glaube ich, hatte ich folgendes ultrakurze Koan in Erinnerung.
Meister: Du weißt, wie es klingt, wenn man mit beiden Händen klatscht. Aber wie klingt es, wenn man mit nur einer Hand klatscht?
Jünger: ?
Daß der Student keine Antwort weiß, war mir damals klar - denn die Frage ist doch albern. Über die Jahre habe ich aber immer wieder daran gedacht - aus welchen Gründen kann ich nicht sagen.
Es gab noch etwas in den 60ern, was mich gefuchst hat, nämlich Filme von Antonioni, Godard und Co. Da liefen irgendwelche Pappnasen mit langen Gesichtern herum, die Fragen von anderen Pappnasen oft nicht beantwortet haben. Sie haben nichts gesagt, sie haben überhaupt keine Reaktion gezeigt. Ich dachte, was sind das für Leute, was will uns das Verhalten dieser depressiv-gebildeten Italiener und Franzosen sagen?
Die dritte Zutat zur Lösung des koans war das Nachdenken über Ralf, der es scheinbar nicht mochte, wenn ich im Laufe eines Gesprächs Fragen stellte. Jedenfalls habe ich meist keine Antwort bekommen - wie in den alten Spielfilmen - oder aber die Gegenfrage "Was soll ich dazu sagen?". Er schien Fragen überhaupt als Angriff zu werten (um diese Zeit hatte ich Bodenheimers Von der Obszönität des Fragens angelesen, war aber der Meinung, daß Bodenheimer übertreibt).
Die Erleuchtung nahm Gestalt an. Man muß nur hören, was nicht gesagt wird.
Meister: Du weißt, wie es klingt, wenn man mit beiden Händen klatscht. Aber wie klingt es, wenn man mit nur einer Hand klatscht?
Jünger: !
Das Klatschen mit nur einer Hand hat den gleichen Klang wie das Schweigen, nämlich gar keinen. Manche Fragen haben keine Antwort. Keine Antwort ist die Antwort auf manche Fragen. Auf manche Fragen ist die Antwort unerwartet.