Zombie-Interferenz

Bleuler gibt uns die Oudenotherapie - das Nichtstun - zu bedenken:

... Ich meine also, man solle medizinieren, wo man weiß, daß es nötig oder nützlich ist, sonst aber nicht, und man sollte zu erforschen suchen, nicht nur welches Mittel besser ist als ein anderes - das muß in Wirklichkeit gelegentlich heißen: welches weniger schadet als ein anderes - sondern ob überhaupt die Anwendung eines Mittels besser ist, als die Natur machen zu lassen.

... Zusammenfassend möchte ich sagen, daß wir viel zu wenig wissen, wie manche Krankheiten ohne ärztliche Eingriffe verlaufen, und da wir, soweit wir es wissen, diese Kenntnis in autistischer Weise von unseren medizinischen Überlegungen absperren, statt sie zur Basis unserer therapeutischen Handlungen und Forschungen zu machen. Wir verschreiben den Patienten auf Rezepten und den Ärzten in unseren Lehrbüchern eine Menge Mittel, von denen wir nicht wissen, ob sie nötig oder nützlich, ja oft nicht recht, ob sie schädlich sind und stellen sie häufig nebeneinander, ohne den relativen Wert derselben zu kennen. Und was das Schlimmste ist, wir tun nicht alles Erdenkliche, um aus diesem Zustande herauszukommen.
 

- Eugen Bleuler, Das Autistisch-Undisziplinierte Denken in der Medizin und seine Überwindung (1921)

"Die Natur" ist für Bleuler bloß die eine Seite einer Freund/Feind-schematischen Ganzheitsvorstellung der "Welt". Ich sehe zwar ein, daß in gegebenen Situationen das Nichtstun auch ein sinnvolles Tun sein kann. Aber die Fronten sind nicht für alle Zeiten gezogen, denn des Schlachtens ist kein Ende. Sollte man nicht nach besseren Strategien suchen?

Man kann zum Beispiel mit Feinden paktieren - nicht aus windelweicher Friedfertigkeit, sondern aus Kalkül heraus. Heutzutage schleust man Virenbröckchen in Zellen mit Pathogenen hinein, um diese Gene auszuschalten - das nennt sich RNA-Interferenz. Schon in George Romero's späteren Zombiefilmen überlegen die verzweifelten Menschen, ob sie sich nicht mit den Zombies arrangieren sollten - denn Zombies sind auch nur Menschen mit eigenen Interessen. Lieber ein kalter Kuß als ein sabbernder Biß.